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Der Blidenbauer -
Künstler oder kunstfertiger Handwerker?

 

Forscher- und Erfindergeist

Alles fing mit einem Kinderwunsch an: Papa, bau mir eine Burg! Und Papa hatte zunächst mal wenig Ahnung von Burgen und was damit alles in Zusammenhang steht. Aber er machte sich kundig, vertiefte sich in die Literatur. Lernte Burgen des Mittelalters kennen und ihre Verteidigungs- und Angriffswaffen. Denn Burgen hatten nicht in erster Linie kulturelle Bedeutung (Minnesang, kunstvolle Architektur und dergleichen), sondern waren Herrschaftsinstrumente, Statussymbole und Garanten der Machtentfaltung und Machterhaltung.

Das Kind sollte, wenn schon, dann eine Burg mit Verteidungsgerätschaften erhalten. Da war das Forschungsgebiet gefunden: „Das teuflische Werkzeug“, die Blide, das Hebelwurfgeschütz des Mittelalters war wiedergeboren, in der Literatur erwähnt, mit Skizzen dargestellt, aber ohne authentische Überbleibsel  in unserer Zeit.

Die letzte Blide in Europa, die in einem Schuppen lagerte,  soll Napoleon verbrannt haben. Also keine Anschauungsmöglichkeit, was den Bau und die Funktionsweise anbelangte. Da hinein vertiefte sich Werner Freudemann (Ausführlicher Lebensbericht; Kurz-Lebenslauf). In jahrelanger mühevoller Kleinarbeit erstellte er funktionsfähige Modelle von Bliden der verschiedensten Art, zunächst im Maßstab 1:20, dann im Maßstab 1:10. Einzige Vorlagen waren einfache Skizzen  aus mittelalterlichen Handbüchern sowie Skizzen von Zubehör wie Seilen, Rollen, Haken, Schleudertaschen, Gewichtskästen (die Burg für das Kind war freilich längst gebaut). Damit hatte er die Blide des Mittelalters und die Art ihrer Wirkungsweise wieder neu erfunden.

Aktuelle Meldung (September 2009):
Die Große Blide, von der hier ausführlich die Rede ist, wurde im Zuge der Auflösung des Runneburg-Vereins an die Stadt Leinefelde-Worbis (s. a.: Tourismusseite) in Thüringen verkauft; die Blide wird dort, auf der Burg Scharfenstein, im Verlauf des Jahres 2010 in Betrieb genommen werden. Nähere Informationen hierzu finden sich in einer Presseerklärung auf der Website des Runneburgvereins. Die Blide wurde im Frühjahr 2010 demontiert und abtransportiert ...

RDie Große Blide auf der Runneburg in Weißensee
- nur noch der Hauch von Erinnerung an ein großartiges Projekt  -
mit Doppelklick zum Video-Clip des Burgvereins

 

Erkenntnis-Entwicklung

Streifzüge durch Museen im In- und Ausland hatten keine Erkenntnisse erbracht: die eigene experimentelle Arbeit  war gefragt. Ein immer noch durch die Literatur geisternder Blidentyp konnte durch Werner Freudemann im Experiment als nicht funktionstüchtig nachgewiesen werden. Durch seine Denkarbeit und seinen in Jugendjahren technisch ausgebildeten Verstand und seine historischen Studien  brachte er die Blide des Mittelalters wieder zum Vorschein in ihrer größtmöglichen Authentizität. In voller Größe (18 Meter hoch)  steht eine funktionsfähige Blide, gebaut nach dem Vorbild seines Modells in Maßstab 1:10 und nach der Vorlage seiner Baupläne (70 Einzelpläne) seit 1996 auf der Runneburg in Weißensee.  Mehrmals im Jahr wird ihr Einsatz vor einem schaulustigen Publikum eindrucksvoll präsentiert.

Über die verschiedenen Bauphasen des Großprojekts gibt es umfangreiches Videomaterial in Händen der Familie. Die drei Phasen des Baus der großen Blide wurden auch begleitet von einem professionellen Filmemacher, dessen Film auf der Runneburg anlässlich von Burgführungen als Video erworben werden kann. Verschiedene Fernsehanstalten haben immer wieder Bildmaterial in diversen Sendungen  eingebracht.
Werner Freudemann hätte sich wohl noch mit der Wiedererweckung weiterer mittelalterlicher Gerätschaften befasst, wenn er nicht plötzlich gestorben wäre. Mit seinem Tod sind leider auch sein Wissen und seine große Erfahrung verloren gegangen.

 
Funktionsprinzip einer Blide  
Modell 1:10
Große Blide
 

Die Blide im Allgemeinen und ganz SpeziellenDie Große Blide in WeißenseeFunktionsprinzip einer BlideExperimentelles BlidenmodellDie Tretradblide (Modell auf der Wartburg/Eisenach)

 

Bliden waren bis zum Auftreten großer Kanonen die wirkungsvollste Fernwaffe des Mittelalters und wegen ihrer vielseitigen Verwendbarkeit bis ins 16.Jahrhundert in Gebrauch. Die ersten bildlichen Darstellungen tauchen im europäischen Raum im Jahre 1197 auf. In der Antike waren Bliden unbekannt. Sie sind vermutlich eine chinesische Erfindung, die über die Araber zur Zeit der Kreuzzüge auch in Europa Verbreitung fand.

Mit Bliden wurden nicht nur behauene Steinkugeln gegen befestigte Anlagen geschleudert, sondern auch Tierkadaver, Bienenkörbe, Fässer mit Fäkalien, Urin oder vergorenem Käsewasser, Netze mit abgeschlagenen Köpfen, Pestleichen und lebende Zeitgenossen (verbürgt ist ein mehrmals verschossener Bürgermeister von Eisenach).

Der Bau einer großen Blide erforderte beträchtlichen Aufwand: Bäume entsprechender Höhe und Dicke mussten gesucht, geschlagen, transportiert und bearbeitet werden. Die Einzelteile wurden montiert, …
 

Sie sind technisch interessiert? Hier gibt es noch viel mehr Detailinformation zu den obigen  Themen ...

 

   
Der Standort auf der Runneburg    
   

welch ein Größenvergleich - Modell und "die Große"

   
 

Modelle, Modelle, Modelle .....

 
Steinmetze bei der Arbeit 50kg Marmor - wer wagt's?  
Die Versuchsblide Versuchsblide - Details "Feldversuche"
Versuchsblide - einige Konstruktionsdetails Ausstellung 1993 Ronneburg/Büdingen
Tretradblide Wartburg "Einblicke ..." Liebe zum Detail
das Blidenmodell "Forchheim"
per Modell nachgewiesen: nicht funktionsfähig noch ein Modell ...
Modell: Kampfturm-Diorama, rechts das sog. "Schwein" (Ronneburg/Büd.)
 
   
aufwendige  Technik Die Rutsche    
   
Schleuderkasten Modell und Große Blide    
   
     
   
Die  Blide wird gespannt ...    
   
Lagerfeuer zur Einweihung der Großen Blide    
     
     
   
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