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Historisches - 473 Jahre zurückblickend
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Urkundlich erste Erwähnung des Konvents
Das Jahr
1534:
„Ich, Anastasius Schmalz, Sent. Johanns ordens Comptur zu Wyssensehe
und Schleussingen bekenne vor mich und meine nachkohmen und kegen
yedermenigklichen so diessen brieff sehen oder horen lesen; Nach dem
der Hochwirdige und gestrenge Herre, Er Johann von Hattstein, Überster
meister unsres ordens in deuztschen Landen, Auff pittlich ansuchen der
Conventspriester des Hauses alhier zu Wyssensehe, der weil wir keyne
sonderliche Infirmary haben, Eyn Haus zu einer Infirmary auff dem
Kirchhoffe an sich zu kauffen gnedige bewilligunge gethan… Und
nachdeme der orte auff gemelten Kirchhoffe hinder dem Kohre auch eyn
frey haus hath, habe ich das selbige Haus vor mich und meyne
Nachkohmen zu eyner Infirmary den berurthen Conventspriestern allewege
zu gebrauchen vor dreissig gulden verkaufft… wan eyn kranker Priester
oder mehr vor der Handt ist, so soll derselbige Priester nach
erkentnis des Compturs und der Convents Brüder in das selbige Haus
zihen, und der oder dye selbigen kranken Priester sollen hyr aussen
Hoffe mit Speyse, getrenke, auch im Winter mit feuerwerg zu vorheitzen,
sampt allen anderen gebüren so man den gesunden priester inns Urbens
hir pflegeth zu geben, fleissig versorgeth werden.
Dar kegen sollen
sich dye Krancken bruder darinnen ordentlich und ehrlichen halten,
nicht verdechtig purschen zu sich zihen und nach Vermoge der
Stabilimenth des Ordens ihre Disperparennth [?] getreulich vurzeichen
und investieren.
Im Fall aber wan
keyen krancke Priester sonderlich vor der Handt weher, so sollen und
mögen vihl gemelter Convents Bruder nach ihrem Nutz und gefallen,
Eyner oder Zweyern alten frommen Priesthern das selbige Haus einen
jerlichen Zins vermiethen und mit dem selbigen Zins das Haus im
baulichen Wesen erhalten.
[Von der handschriftlichen Urkunde
aus dem Stadtarchiv Weißensee, XXII/1-4, freundlicherweise übermittelt
durch den Historiker Gerd Schlegel an die Familie im Jahr 1997. Von
ihm gibt es auch eine umfangreiche Abhandlung „Die Geschichte der
Johanniterkommende Weißensee/Thür., erschienen in der Reihe „castrum
wiszense“, Nr. 4/1996, 223 Seiten.]
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Die
älteste Urkunde über die Johanniterkommende in Weißensee stammt
aus dem Jahre 1234.
1337
übertragen die Stadträte das Hospitalwesen an die Johanniter, die
auf dem Gebiet der Armenbetreuung und Krankenpflege weithin
bekannt waren. Neben der bis dahin üblichen außerstädtischen
Ansiedlung eines Hospitals, das auch zur Unterbringung von
Wanderern und Pilgern diente, entstand erstmals ein
innerstädtisches Spital.
Auch 1556 wird
urkundlich durch den Komtur von Mainz das Spital gegenüber dem
Komturhaus, auch Pfaffenhof genannt, erwähnt. Im Grundbuch von 1801
findet es keine Erwähnung mehr..
Das Haus hat eine bewegte Geschichte,
erlebte Brände und Verwüstungen, Wiederaufbauten, Umbauten und
Anbauten, kam in städtischen Besitz, wurde Altersheim und
Lehrerwohnung und diente in den Jahrzehnten vor der politischen Wende
u.a. auch als Obdachlosenunterkunft, hat aber im Volksmund immer
seinen Eigennamen behalten: der Kowand, - in Ermangelung der korrekten
Aussprache des Wortes Konvent. 1997 wurde es zum Einzeldenkmal
erklärt. Seine ältesten Teile sind der große Gewölbekeller aus
dem 13. Jahrhundert sowie die Fußbodenplatten in der Eingangshalle,
die von einer kleinen Tür straßenseitig zu betreten ist.
Nach dramatischen Jahren der
Bautätigkeit, Entkernung und Erneuerung unter denkmalpflegerischen
Gesichtspunkten - insbesondere in den Jahren 1997 bis 2000 mit denkbar
geringster finanzieller Unterstützung von öffentlicher Seite, gemessen
an der Größe des Hauses und dem großen finanziellen und physischen
Einsatz der Familie - steht das Haus jetzt wenigstens auf sicheren Füßen, ist
aber immer noch eine Baustelle.
Der Konvent ist eine Hofanlage auf knapp 800
Quadratmetern Grund mit insgesamt 4 Gebäuden. Das Haupthaus - ohne
Anbau - ist 22
Meter lang und 10 Meter breit. Es ist ein Lehmfachwerkbau mit
Obergeschoss. Die jetzigen Holzbauausformungen werden dem frühen Barock
zugeschrieben, der Dachstuhl weist jedoch eher auf ein spätbarockes
Bauprinzip hin.
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Erwerb
und Sanierung - ein Kraftakt
Als wir das
Haus zum ersten Mal im Herbst 1996 sahen, war es in einem
erbarmungswürdigen Zustand, düster, nicht nur wegen der vernagelten
Fenster, verbaut, heruntergekommen, angehäuft bis unter die Zimmerdecken
mit liegengebliebenem zerstörtem, verschmutztem Mobiliar und
Gebrauchsgegenständen, auf dem Dachboden ebenfalls ein Haufen Unrat. In
einer als frühere Küche erkennbaren Zelle (der alte Bauplan kennzeichnet
die Räume als Zellen) befand sich noch der Kaffeesatz in der Kanne. Die
«Küche» im Obergeschoss war ohne Wasserzu- und -ableitung. Aber es gab
sieben Toiletten, offenbar durch Neustrukturierung von Wohneinheiten an
unmöglichsten Stellen entstanden.
Kopfschüttelnd und ablehnend standen die Weißenseer dem Haus
gegenüber, machten einen Bogen um es herum, es galt als Schandfleck in der
Gegend. Jeder wusste eine Story über einen Insassen und schüttelte sich,
weil es ihn grauste. Einige erinnerten sich, dort in ihrer Kindheit
Geheimgängen auf der Spur gewesen zu sein. Da der im Mittelalter
entstandene, begehbare Helbekanal vor dem Haus verläuft, ist es denkbar,
dass dort einst eine unterirdische Verbindung zu den anderen Gebäuden des
Johanniterhofes bestand.
Selbst als wir dann zu Werk gingen, wagte kaum einer, die Nase weiter
hineinzurecken. Viele hielten uns wohl für verrückt. Aber irgendwie
glaubten wir daran, es zu schaffen. Wir fingen einfach an.
Am Anfang stand der Abriss einzelner Wände, die Entfernung alter
Leitungen, die Entkernung. Je weiter wir fortschritten, um so größer
wurden die sich offenbarenden Schäden am Fachwerk. Fast die gesamte
Außenhaut musste repariert werden, sämtliche Schwellbalken waren extrem
verrottet, zum Teil gar nicht mehr vorhanden, was den Neigungsgrad der
Wände erklärte. Auch die Schwellbalken unter den Zimmerwänden waren durch
Rotfäule zersetzt. Manche Ständerbalken standen einfach in der Luft. Die
Dielen lagen |
auf
Restbeständen von Baumstämmen vernagelt einfach im Boden.
Bodenausschachtungen brachten, trotz großer Hoffnung, keine verborgenen
Schätze zutage, aber eine Unmenge von Kachelofen-Scherben und Teilen von
einst sicher nützlichen Gebrauchsgegenständen, unter der Treppe ein 2
Meter hoher, fest zusammengebackener Haufen von Stroh mit Dosen und
Arzneifläschchen durchwirkt und einem alten durchgelaufenen Lederschuh. Da
in einer anderen Ecke ein Leisten ausgegraben werden konnte, war klar,
dass zumindest einer mit schusterlichen Fähigkeiten einst darinnen gehaust
haben musste. Das einzige aufgefundene Buch, ein Gebetsbrevier, hatte
verdächtig ausgerissene Seiten und war offensichtlich für andere
Papierzwecke verwendet worden.
Das Ausmaß
vieler Schäden, die sich angedeutet hatten z.B. durch sich neigende Wände,
wurde größer und größer, dennoch sank uns nicht der Mut. Wir wollten es
schaffen, wir konnten es schaffen, schließlich hatten wir einen sehr guten
Zimmermann, dessen Handwerkskunst sich schon an Teilbauten der großen Blide (sh. Seite 'Der Blidenbauer') bewährt hatte. Die wenigen Beispiele
auf der linken Bildleiste mögen für sich selbst sprechen.
Werner Freudemann
(Ausführlicher
Lebensbericht;
Kurz-Lebenslauf) war der treibende Motor, arbeitete er doch
beinahe wie ein Berserker, nachdem sich offenbart hatte, dass fast niemand
von denen er es gehofft hatte, ihm eine helfende Hand reichen konnte. Man
musste sich mit vielen, bis dahin unbekannten Baufragen auseinandersetzen,
die Lehmbautechnik erlernen, das Mauern und Verputzen, den Umgang mit dem
großen Holz im Fachwerkbau, den keinesfalls leichten Umgang mit Behörden und Ämtern.
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Kleinkunstbühne |
das Kaminzimmer m.
Blick zur Bühne |
Lehm-/Holzdeckenkonstruktion |
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Werner
Freudemann
starb überraschend im Sommer 2000, und seitdem
ist der Bau nur unwesentlich vorangekommen. Einige Fenster und eine Tür
konnten dank finanzieller Unterstützung durch das Denkmalamt erneuert
werden. In letzter Zeit wurde ein Hoftor ausgewechselt. Ein zweites wäre
ebenfalls nötig, ganz zu schweigen von Reparaturen an den Nebengebäuden.
Im Haupthaus fehlt noch eine zufriedenstellende Beheizung. Es gibt nur
einen Kachelofen sowie zwei
Festbrennöfen.
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Für einen richtigen Grundofen liegen die Kacheln im Keller. Einige
Fußböden müssen noch mit Dielen versehen, einige Wände noch mit Lehm
verputzt werden. Auch Fensterlaibungen warten noch auf ihre
Vollendung. Der Dachstuhl erfordert teilweise Erneuerung, das riesige
Dach müsste neu eingedeckt werden. Gemessen an der Größe des Hauses und den bereits
bewerkstelligten Restaurierungsarbeiten zwar keine Kleinigkeiten - vom Dach
einmal gänzlich abgesehen -, aber für
zwei oder vier verbliebene Hände ist das einfach zu viel. |
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Wärmequelle - ein Hauch von
Komfort |
einer der Schlafräume im OG |
ein kleiner Schlafraum im OG |
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Mittelgang im OG |
Gewölbekeller |
Stillstand am Bau? Nicht
gänzlich ... |
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Die
Zukunft des Hauses
Werner
Freudemann
war Künstler. Sein Haus in Weißensee
sollte Kulturschaffenden offen stehen. Das Haus sollte
seinem Namen Konvent, Zusammenkunft, alle Ehre machen. Es könnte ein Refugium
sein, in
dem sich freundschaftlich Künstler und künstlerische Laien zum Gespräch und
zu gemeinsamem künstlerischen Gestalten
einfinden könnten, in dem auch ein interdisziplinärer Austausch
mit Pädagogen, Kunsttherapeuten, Psychologen, Literaten und
Musikern möglich wäre. Eine bauliche Besonderheit bot sich an, daraus eine kleine Bühne
zu machen, die für Kleinkunst
geeignet ist. Ein Skulpturengarten, ein Kräuter-, Blumen- und
Gemüsegarten und ein kleines Werkhaus als Atelier könnten der Kunst
und dem leiblichen und seelischen Wohl im Konvent einen
passenden Rahmen verleihen.
Möglich
wäre die Einrichtung von vier bis fünf Schlafräumen
mit 10 bis 12 Schlafplätzen - bislang sind 6 Plätze vorhanden, vielleicht auch noch mehr, mit
einer schönen Küche und einem großen Essraum mit Bibliothek sowie
weiteren Versammlungs-räumen.
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Damit
wäre
die Unterbringung einer Gruppe von 10 bis 12 Personen in rustikalem
Ambiente denkbar, die zeitweilig oder auch dauerhaft dort leben, sich gut verpflegen
und gemeinsam künstlerisch tätig sein wollen. Zwei weitere
Nebengebäude dieser Hofanlage könnten noch zu Werkräumen
ausgebaut werden.
Da nun das Haus zum Verkauf steht, mussten
folglich auch alle je entwickelten Hoffnungen und Ideen aufgegeben
werden. Mögen sie mit den künftigen Eigentümern neu beflügelt werden.
Interessiert am Erwerb dieses
geschichtsträchtigen Hauses?
Exposé sowie Kontakt zu unserem Makler im Internet ... Oder
rufen Sie uns doch einfach mal an (siehe Impressum)!
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Blick vom Hof auf die
Landgrafenkirche |
der Glockenturm mit bald neuer
Glocke |
moderne Stilelemente der
benachbarten neu eröffneten Grundschule |
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künftiges Atelier? Ein
unverändert trister Zustand |
eines Tages ein
Kompostierplatz an dieser Stelle |
der Garten eines fernen Tages:
Kräuter, Blüten, Wasser, Skulpturen, Oase der Ruhe und Erholung |
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Und so präsentiert sich der Konvent gegenwärtig - im Frühjahr 2010
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Straßenfront |
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des Nachbars' Blick |
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Gartenansicht |
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Anbau u. Dachterrasse |
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Nebengebäude im Garten
(Atelier geplant) |
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eines von 3 Nebengebäuden |
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die
Eingangshalle |
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der
Nebeneingang |
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geplant: Medienzimmer
und Bibliothek |
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geplant für ... große Gelage |
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modernes Highlight: das untere
Bad |
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das Bühnenhäuschen u. Zugang zum Kriechkeller |
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